Montag, 22. Dezember 2014

Das Hohelied der Asymmetrie


Eines meiner Lieblingsthemen. Oft ist sie zu sehen und hat insbesondere in der traditionellen Kultur ihren festen Platz, was auch heißt, dass es schwer ist Menschen zu finden, die mir meine bohrenden Fragen beantworten können. Heute aber war wieder so eine erhebende Chinesischstunde, mit vielen langersehnten Antworten! Alle sind noch nicht geklärt, doch möchte ich mir die ganzen gesammelten Beispiele endlich vom Herzen posten. Außerdem ist es ein guter Angelpunkt für die noch kommenden endlosen Fotoreihen mit verwandten Themen.

Vorab: bevor ihr den Schluss lest, würde ich gern von Euch wissen, an was Euch diese Muster erinnern, bzw. was ihr denkt wovon sie inspiriert sind und welche Worte ihr wählen würdet, um sie zu beschreiben. Mich hat der chinesische Denkansatz verblüfft.

Das erste Mal habe ich von der Liebe zur Asymmetrie in einem Buch über chinesische Kalligraphie erfahren, das mich darauf hinwies, dass zwei gleiche Elemente innerhalb eines Zeichens immer absichtlich abweichend voneinander geschrieben werden. Da die chinesische Schriftkunst aber ein Universum für sich ist, sei sie hier ausgeklammert und ein Schaufenster, an dem ich jeden Morgen vorbeilaufe, soll mein Einstieg sein, besser gesagt das Regal, was drinsteht erregte meine Aufmerksamkeit. Es ist einfach so schön:
Asymmetrische Regale, eine andere Fotoreihe.
Eher der Handwerksschlamperei als ästhetischer Empfindsamkeit geschuldet, wohl nichtsdestotrotz und wahrscheinlich gerade wegen der im kuturellen Unbewusstsein verankerten Präferenzen nicht begradigt:
Meine Eingangstür
Dagegen zwei absichtsvolle Tore:
Fast ein Regal und doch ein Fenster:
Etwas ausgefeilter:

Jetzt ans Eingemachte:

Aus einer Schnapswerbung

Einfach schön!

Montag, 15. Dezember 2014

Amoy oder Xiamen?


Hier meine Übersetzung eines Textes von Dr. William N. Brown, einem Kollegen aus der Universität, der diese Frage in seinem Buch „Amoy Magic – A Guide to Xiamen“ sehr unterhaltsam beantwortet hat. Er dient mir immer wieder als Inspiration und Argument, wenn ich all die anderen „veralteten Begriffe“ für Städte und Dinge aus Asien benutze wie „Mukden“ statt Shenyang, „Szetschuan“ statt Sichuan, „Sun Yatsen“ statt Sun Zhongshan, „I-Ging“ statt Yijing u.v.a.m. mit denen ich oft die hochgezogene Augenbraue ernte. Das Original befindet sich hier

Vorab: "x" spricht man ungefähr wie "ch" in "ich" aus oder für Freunde des IPA: [ɕjâmə̌n].

Warum Amoy?

Nach einer Vorlesung vor dreihundert Studenten in Zhangzhou (einer kleineren Stadt weiter im Inland der Provinz, Anm.d.Ü.) sprang ein Jugendlicher mich an und forderte „Warum sagen Sie ‚Amoy‘? Warum nicht ‚Xiamen‘? Na? Na?“ Und er durchbohrte mich mit dem Blick eines Rotgardisten, der drauf und dran war einem Lehrer eine Büßerkappe mit den Worten „altes Gedankengut“ aufzusetzen.
Viele Chinesen fragen das, aber selten derart empört. Also sagte ich „Warum sagen die Chinesen ‚Jiu Jinshan‘ statt ‚San Francisco‘? Na? Na?“ „Weil Chinesen ‚San Francisco‘ nicht aussprechen können!“ entgegnete er scharf.
„Na also.“ sagte ich.
Der Name „Amoy“ entstand nach dem ersten Opiumkrieg (1839-42), als Xiamen gezwungen wurde ein Vertragshafen zu werden. Ein Ausländer fragte einen Zollbeamten aus Fuzhou welchen Namen die Insel habe und ihm wurde im lokalen Dialekt gesagt, dass sie „Ah Mo“ heiße (wie „Amen“ durch die Nase gesprochen). „Amoy“ war die beste Annährung, die die Ausländer hinbekamen und selbst heute bezeichnen die Überseechinesen es noch als „Amoy“ und Chinesen in ganz Asien sprechen nicht Minnan-Dialekt (die hier in der Provinz Fujian gesprochene Mundart, Anm.d.Ü.) sondern „Amoy-Dialekt“.
Ich selbst ziehe es vor, wenn Ausländer lernen Xiamen zu unserer Insel zu sagen, ich aber benutze Amoy in meinem Buchtitel weil 1.) Xiamen nachwievor schwer für Ausländer auszusprechen ist, 2.) selbst Überseechinesen Xiamen „Amoy“ nennen, und 3.) für diejenigen mit auch nur einem Hauch Wissen über asiatische Geschichte, das Wort „Amoy“ exotische Bilder und Geschichten weckt. Die Welt verwendet „Amoy Sojasoße“ nicht Xiamen Sojasoße. In Hong Kong hatte die Vogelgrippe ihren Ausbruch in den „Amoy Gardens“ nicht in den Xiamen Gardens. Und nicht zuletzt trägt das lateinische Siegel der Universität Xiamen, die nicht von Ausländern sondern Überseechinesen gegründet wurde, die Inschrift „Universitas Amoiensis“ – nicht Universitas Xiamenensis.
Somit ist Amoy nicht der sprachgewordene Fußabdruck des ausländischen Imperialismus. Amoy ist so sehr ein chinesisches, wie es ein ausländisches Wort ist und es klingt viel mehr nach „Ah Mo“ als „Jiu Jinshan“ nach San Francisco, also kommt mal runter. Jedoch, aus Achtung für meine chinesischen Gastgeber, benutze ich persönlich für unsere Insel Xiamen, nicht Amoy.
Der Minderheit, die noch immer an meinem gelegentlichen Gebrauch von Amoy Anstoß nimmt, werfe ich den Fehdehandschuh hin. Wenn die Chinesen anfangen „Washington“ statt „Huashengdun“ oder „California“ statt „Jialifuniya“ oder gar „Jiazhou“ zu sagen, werde ich Amoy aus meinem Wortschatz streichen. Bis es aber soweit ist – macht Euch locker und seid froh, dass Besucher aus allen Herren Ländern in Scharen auf unsere Insel kommen, egal wie wir sie nun nennen. Und…

Enjoy Amoy!

Montag, 8. Dezember 2014

Taiwan - China ohne Probleme



Etwas mehr als zehn Jahre ist es nun her, dass ich zum ersten Mal Asien betreten habe. Es war die Erfüllung eines Traumes. Auf nach Taiwan für ein Jahr, jippie! Sicherlich wusste ich, dass Taiwan die Republik und nicht die Volksrepublik China war und kannte auch die wichtigsten Kenngrößen: polynesische Urbevölkerung, dann Portugiesen und Niederländer, japanische Besetzung, Kuomintang, Tschiang Kai Schek, Verlust des UN-Sitzes, Sicherheitsabkommen mit den USA etc. pp. und für einen gehörigen Kulturschock bei der Rückkehr nach Deutschland hat die asiatische Konditionierung des Aufenthalts schon gereicht, aber erst als ich jetzt diesen Oktober meinen zweiten Besuch auf der Ilha Formosa, der schönen Insel, wie die Portugiesen sie bei ihrer Ankunft nannten, antrat, überwältigten mich die Unterschiede. Von ihnen, weiteren Eindrücken und einigen Erinnerungen möchte ich Euch nun erzählen.

Als erstes – eingeschlagen wie eine Bombe – der vermischte Duft von Motorrollerabgasen und Sandelholzräucherstäbchen.

Herrlich, einzigartig würde ich sagen. Nach einem tiefen Zug war ich schon den Tränen nahe und zehn Jahre jünger. 

Die Armada übermotorisierter Motorroller,


die einen Extra-slot vor Ampeln hat, Standgas gebend und zuckend auf Grün giert, ist immer noch dieselbe, nur eben zehn Jahre moderner und schnittiger; ebenso die grundsätzliche Einstellung zu Schutzkleidung in Kombination mit gewissen Kätzchen…

Das Glück genießend von der guten einheimischen Freundin auf solchem Gefährt durch die Gegend kutschiert zu werden, forderte ich den sofortigen Halt, als mir ein weiterer unverkennbarer Geruch in die Nase stieg: Frittenfett plus angetrocknete Kotze plus Katzenpisse? Et violá:
Stinketofu, die hiesige Spezialität!
Außen knusprig, innen weich, Geruch: ekelhaft, Geschmack: lecker, vollkommene Harmonie der Gegensätze, ein Schatz asiatischer Küche. Wohl bekomms!

Was für ein Beginn dieser Reise, dachte ich. Binnen einer Stunde alles Wichtige abgehackt. Vom Feinsten! Wie wir also so durch die Stadt cruisten, ich nostalgisch die chinesischen Langzeichen auf den tief in die Straßen ragenden, zum Teil noch von rechts nach links beschriftetet Firmenschilder an mir vorbeisausen ließ, drängte sich mehr und mehr der Bebauungsstil in mein Bewusstsein. Damals fand ich ihn ziemlich monoton, einfallslos und stempelte die Straßenzüge immer als übereinandergestapelte Schuhkartons ab. 
Einziger und wichtigster Pluspunkt die Tempel, die sich in jeden noch so kleinen Zwischenraum pressen und an nahezu jeder Ecke zu sehen sind. Angesichts der Bauwut in der VR, die große Schneisen in alte Städte schlägt, schlanke Hochhäuser im Sechserpack an jede Ecke pflanzt und mit frischen Hochglanztempeln protzt, ganze Berge abträgt und riesige Flächen „entwickelt“, erschienen mir nun diese Schuhkartonkonglomerate plötzlich wie natürlich gewachsen.
Überhaupt ist in Taiwan alles irgendwie kleiner und enger, dichter, niedlicher und verwinkelter. Zudem scheinen gerade die alten Tempel absichtlich unbelassen und atmen eine historische Stimmung. Dazu kommen noch die allenorts überirdisch verlegten Stromleitungen, 
wegen Naturkatastrophengefahr (Erdbeben und Taifune), und schon steht sie vor mir meine Hauptkomplizin der Erinnerung: Japan. Saubere, duftende, schöne Scheißhäuser, Zugtypen, Bahnübergänge, Rathausarchitektur, die Menschen bilden Reihen, befolgen Gebotsschilder, Japans Erbe war mir nie so augenscheinlich wie bei diesem Besuch.

Ein weiterer Augenblick der Klarheit: keine Bullen. Nirgends nichts und niemand keiner. Auf dem Festland überall Wachmänner in verschiedenen Ausführungen und immer in Uniform: Polizist, Polizist im Dienst (gibt da eine extra Schärpe), Hauswart, Kaufhallenkontrolleur, Taschendurchleuchter, Zebrastreifenregulator und nicht zu vergessen: Kameras, Kameras und nochmal Kameras. Ich hatte das schon ausgeblendet und es war mir bei der Rückkehr wieder ins Unbewusste abgerutscht, so dass gleich in der folgenden Woche mein DDR-erfahrener Besuch mich in Peking nochmal deutlich darauf hinweisen musste. „Guck mal, der könnte Stasi sein oder der, oder der…“

Tja, da frage ich mich dann schon wierum die Wiedervereinigung idealerweise wohl verlaufen sollte, wenn sie denn kommen sollte, bin froh, dass mein Start in Asien auf Taiwan begann und bekomme das Gefühl, dass sich dieses schnuckelige Inselchen mehr anfühlt wie eine Schweiz als eine Provinz. Ich kenne die Schweiz nicht außer einem kurzen Besuch in Genf und Davos. Mein aus dem Fernsehen entnommenes Vorurteil suggeriert mir aber, sie hätten einen tieferen Grad der Entspanntheit erreicht, als – sagen wir – ihre Nachbarn im Norden. Und auch die Taiwanesen scheinen für mich mehr in sich zu ruhen als die von ihnen spitz „A-lang-à“ genannten, stets gehetzten Festlandschinesen. Allein schon die scheinbar eine Oktave tiefer gelegte Fassung ihres Hochchinesisch scheint das zu machen.

Einzige Leerstelle beim Erinnern, die hippen Girls, die den Lastkraftwagenfahrern das Aufputschmittel „Betelnuss“ verticken, sind wohl im Aussterben begriffen. Vor zehn Jahren sah ich sie noch alle zwei Kilometer in ihren engen Leibchen, in ihren empörenden Glashäusern sitzen und von Hand die Früchte präparieren, nun nur noch sporadisch, aber das ist glaube ich was Gutes.

So trat ich ihn also an, den kleinen Dreisprung, wie die Taiwanesen (im Duden steht übrigens Taiwaner, klingt mir aber zu vulgär) ihn nennen: Taiwan–Kinmen–Amoy. Mit dem Propellerflugzeug (sanfteste Landung jemals) zur Goldtorinsel (Kinmen) und von dort kurze vierzig Minuten mit dem Schiff zurück nach Amoy. Vier Tage Catch-up und Erinnerungsflash.

Früher habe ich zwar auch immer betont, dass ich nicht in der VR China sondern auf Taiwan war, aber dass erst ein Jahr Leben in der VR nötig war, um zu erfühlen, was es besonderes mit Taiwan auf sich hat, dass ein solcher Leihkulturschock für eine mir selbst nicht zu eigene Kultur, von der ich dachte sie eigentlich schon ganz gut erfasst zu haben, möglich ist, hätte ich nicht erwartet. Schöne Lektion.

Freitag, 5. Dezember 2014

Pimp My Ride

Ihr Lieben!

Es gibt sie in allen Formen und Farben, mal sind sie getarnt als Fahrrad, mal aufgemotzt wie ein Scooter oder bunt und kleinrädrig wie ein Spielgerät, von ganz mini bis hin zum großen Müllentsorgungsdreirad; sie sind  bepackt mit Wasserspendertonen, Gasbuddeln, Recyclingmaterial, Briefen und Paketen, Fressalien oder gar Kindern: die E-krads, die vom Blitz bewegten Wägen, die Diänn-dung-Tschöös vulgo E-bikes.
Es heißt ein Dekret der fortschrittlichen Stadt Amoy besage, dass auf der Insel keine benzinbetriebenen Mopeds fahren dürfen zum Zwecke der Verbesserung der Luftqualität. Da motorbetriebene Fortbewegungsmittel zusätzlich noch genehmigungspflichtig sind und nicht jeder eine solche hat, sind kurzerhand Pedale angebracht, die es somit gesetzlich zum „Fahrrad“ machen und ein Schlupfloch den genehmigungslosen Schlumis gewährt.
Und so sieht man sie nun überall vorzugsweise gegen die Fahrtrichtung rasen, sich durch die kleinen Wege der dicht bebauten Wohnviertel schlängeln und natürlich durch die Lücken im Stau.
Angesichts der unangenehmen Temperaturen im Sommer und den notorisch überfüllten Bussen, hatte ich mich – wie bereits geschildert – also gleich nach Ankunft entschlossen mir ein solches Gefährt zu gönnen.
Trommelwirbel, ich präsentiere: mein Ihbeik!

Ist es nicht süß? D.h. das ist der Zustand wie es vor knapp 8 Monaten aussah (schon damals aber der überflüssigen Rückspiegel entledigt). Nachdem alle Besucher von dem harten Rücksitz profitierten, habe ich mich entschlossen ihn doch mit samt dem Korb abzubauen.

Immerhin 6 Komma irgendwas Kilo weniger, von denen ich mir zu Recht längeren Fahrspaß und besser Manövrierbarkeit erhoffte! Mit ihm sind auch gleichzeitig die Rücklichter und Blinker ab, aber die stiften im hiesigen Verkehr ohnehin nur noch mehr Verwirrung. Um die Insel komm‘ ich zwar immer noch nicht rum (reicht rund dreißig Kilometer), aber mich düngt jetzt ist es ein bissl schnittiger. 

Besonderer Bonus: der technikaffine Onkel Otto ist begeistert! Was denkt ihr?
Im Beitrag „Osterspaziergang“ schrieb ich ja von den dazugehörigen Alarmanlagen. Jedes Modell hat seine eigene, so dass sich allenorts herrliche Quodlibets ergeben. Hier nun das lang angekündigte Hörbeispiel:



Sonst aber schnurrt es leise wie ein Kätzchen oder ist fast unhörbar. Zum Schluss möchte ich Euch eine kleine Fahrt ums Eck nicht vorenthalten. Das Klappern rührt noch vom nicht abgebauten Lenkerkorb her:



Weiteren Verbesserungsvorschlägen schenke ich ein offenes Ohr!


Donnerstag, 4. Dezember 2014

Suesze Schiete


Liebe Menschen!
Heute dauert es nicht so lange. Ich möchte Euch meine kleine Kuriositätensammlung vorstellen. Wenn ich so durch die Stadt laufe, dann begegnen mir manchmal Dinge, die mich schmunzeln lassen. Bin ich geistesgegenwärtig genug, zücke ich schleunigst das Schlaufon und lichte es ab. Beginnen wir mit der jüngsten Kandidatin, der ich am Samstag im Schreibwarengeschäft begegnet bin. Sie ist der Grund, warum ich diese Anreihung den andern – sagen wir „höherwertigen“ – vorgezogen habe. Ich glaube sie spricht für sich selbst:

Es folgt der insiderigste:

Hier ist die Beschriftung der Reifen und, dass es eben ein Mountainbike ist, wichtig. Damit auch alle anderen außer BerserkerD (dem dieses Foto gewidmet ist) den Sinn verstehen: ein junger, stark nerdiger, japanischer Mann, der auf seinem All-Terrain-Fahrrad durch Japan kurbelt, sich dabei von Nebenjob zu Nebenjob hangelt und dabei attraktiven Damen begegnet, ist nämlich Gegenstand einer zweideutigen Zeichentrickserie namens „Golden Boy“, die ich noch zu Studienzeiten in Leipzig kennenlernen durfte. Solch ein Omen konnte kein Zufall sein!
Auf der überfüllten, AAAA-gerankten, Xiamen direkt vorgelagerten Tourismusinsel „Gulang-Ü“, fand ich dieses Schild und musste gleich an mein liebes Brüderchen denken:

Hatte ich zunächst nur einen Panikschuss als Ergebnis dieser hektischen Hänni-außer-Tasche-fummel-Momente, um die Ähnlichkeit des Logos eines chinesischen Automobilherstellers zum Logo der Sternenflotte zu dokumentieren, konnte ich nun aufklären um welche Marke es sich handelt: Chang‘an-Auto.

Wo wir schon bei Autos sind und beim Wagentreck zu den Sternen waren: use your booster!

Hey, you found a secret! Ihr erinnert Euch, dass ich von einem Haus, das auf der einen Bergspitze steht und einem Dampfer ähnelt, schrieb? Nun, die Neugier, was sich denn hinter bzw. unter dem Schlot befinde, trieb mich und die schöne Jensen den Berg hinauf und siehe da:

Auf verschlungenen Wegen fand sich dies verlassene Haus. Wir rätselten, wozu mag es benutzt worden sein? Andere Spaziergänger wussten die Antwort: ein ehemaliges Restaurant, das sich der lokale Hauptbeamte zusammen mit der Seilbahn hat hinstellen lassen. Wie schon der Name des Hauses hätte vermuten lassen, war ihm kein Erfolg beschieden und vermodert nun als Investitionsruine.
Zum Schluss noch zwei sprachliche Schmankerl.

Hier hat der Übersetzer wohl zu viel gewollt. Im chinesischen Original fehlt das Wort Nation, die Kombination aus ultimativ und -ismus zu einem passenden Nomen in Verbindung mit einem Paar Schuhe, bleibt allerdings gewiss eine Herausforderung.
Hach, schwieriges Thema, auch mein Vati wird nicht müde mich von Zeit zu Zeit auf die damit verbundenen prokreativen Implikationen hinzuweisen. Bin ja schon alt. Sicher noch nicht so alt wie einige aus dem „Gefolge“, dennoch die Frage stellt sich! Offenbar aber mehr noch meinen chinesischen Leidensgenossinnen. Die Siebenundzwanzigergrenze wurde schon auf Neunundzwanzig angehoben, ab da wird es aber unmöglich dem Druck der Familie auszuweichen, außerdem gehört es zum guten Ton! Nicht, geht nicht. Selbst, wenn man vom anderen Ufer ist! Zu großen Festen – wie ich im Chinesischunterricht erfahren habe – sind Tarnungspartner „mietbar“, doch löst das nicht die gerade dann akute, quälende, die Großeltern umtreibende Frage:
Bist Du schon verheiratet?

Ruf! An!

Viertel



Bevor ich mit weiteren Fotoreihen (alles schon vorbereitet!-) kurioser Exponate Eure wertvolle Zeit verschwenden werde, dachte ich, ich zeige Euch zunächst mal meinen Stadtteil. Die „Inneninsel“, wie die Inselstadt Amoy, die sich auch jenseits der Insel erstreckt, den Teil der Stadt, der Insel ist, die Insel nennt, ist in einen nördlichen und einen südlichen Teil geteilt. Ich wohne im südlichen, ältesten Teil der Stadt, der auf den rührenden Namen „An die Ming denken“ hört, auf Chinesisch kurz:“ ßü Ming“. 
Das rührt daher, dass zu Zeiten, als die Ming-Dynastie zur bezopften Nation d.h. von den Mandschu erobert wurde, sich hierher - den fernen Süden - die letzten Reste loyaler Ming-Truppen flüchteten, und von hier aus noch weiter auf mein geliebtes Taiwan, um eines Tages doch noch zum Gegenangriff blasen können; was dann aber nicht mehr stattfand.
Hier also, fünf Gehminuten zur Uferpromenade, steht der Fünfunddreißiggeschosser, in dem ich wohne. 

Leider schaue ich nicht in Richtung Meer, sondern Richtung begrüntem Berg. Das ist aber nicht schlimm, denn der Anblick des sich an den Bergfuß schmiegenden Tempels, der kleinen Pagode auf der einen und des Dampferschlothauses auf der andern Bergspitze, der wie eine Girlande hübsch dazudrapierten Seilbahn, als auch der scheinbar wild wuchernden Unterstadt ist immer wieder herzig und schön.

Nicht nur ich scheine den Eindruck des Wucherns gehabt zu haben, offenbar auch die Verantwortlichen zur Findung der Subnomenklatur dieses Viertels, sie nennen es treffend: „Himmel bleibt verborgen“, denn wenn ich so durch die engen Gassen, Hintertreppen und schmalen Gänge unter und zwischen den hochgeschossenen und verwinkelten Häusern schlendere, stehe ich meist im Schatten. 

In eins zwei Monaten wird das jedoch sicher sehr angenehm sein.
Hintenraus zu wohnen, hat im Übrigen auch den Vorteil, auf den Berg, zur Pagode oder den Tempel gehen zu müssen um einen schönen Blick auf das Meer zu bekommen und so ganz nebenbei dem Ausbau eventuell vorhandener intrakorpureller Lipidkompartimente vorzubeugen. 

Und obwohl mich meine Aussicht jeden Tag neu dazu einlädt, muss ich gestehen, dass ich sie zu selten annehme. Wenn aber, dann gehe ich nicht zur Pagode oder zum Tempel, sondern meine selbstentdeckte Geheimschluppe, zu einem abgelegenen, sehr großen Felsen, wo ich mich ganze alleene rüchtsch breide machng konn 

und die Aussicht nicht von rückwärtslaufenden Transistorradiohörern klanglich beeinträchtigt wird. Nur ab und zu winken aus den Seilbahngondeln verdutzte Liebespäarchen auf Urlaub.
Prägend sind auch die zwei Schulen in unmittelbarer Nähe, die in den Pausen mein Viertel mit trainingsanzugsuniformierten Schülern überschwemmen. 

Zu den Stoßzeiten fließen sie quasi die abschüssige Hauptstraße hinunter und blocken in Fünferreihen den Gegenverkehr. 

Ziehen sich an der Ecke nen Bautze (gefüllter chinesischer Hefekloß) oder nen leckeren Perlentee und verschwinden entweder in den Seitengassen, meinem Block, wo sie dann mit mir Fahrstuhl fahren, oder laufen weiter zur Bushaltestelle neben dem Museum der Auslandschinesen, das mit seiner traditionellen Bauweise, den Schwalbenschwanzdächern, seinem großem Tor und seinem Garten der eigentliche Ruhepol hier im Gewusel, meinem Quartier, ist.