Donnerstag, 26. Oktober 2017

Chinesisches Essen (TV II)


 
Der chinesische Volksmund kennt die Weisheit „Das Essen ist des Menschen Himmelreich“ und das ist - nach meiner Beobachtung – die unangefochten wichtigste Hauptschlagader chinesischen Lebens. 
Aus einem meiner Lieblingsfilme "Eat Drink Man Woman"

So wunderte es mich nicht, dass eine Sendung der chinesischen ARD (CCTV1) zum Thema Essen für mich die Ehrenrettung chinesischer TV-Programmproduktionen antrat. Ich habe und versuche es immer wieder chinesisches Fernsehen zu schauen, allein schon zum Spracherwerb, schmeiße es aber jedesmal wieder hin, weil der ganze Stil der Darbietung und Aufbereitung des Geziegten für meine Prägung unerträglich hibbelig, überfrachtet, dabei aber inhaltsleer und wertend daherkommt. Die Sendungen, die mir begegneten sind voll schneller Schnitte, nutzen tausend Kameraeinstellungen, die ewig gleiche Musik dudelt im Hintergrund, Cartoonsounds kommentieren jeden Gesichtsausdruck, teilweise werden ins Bild Worte wie „Schrecklich!“ „Aua“ „Oh wie peinlich!“ etc. in grellen Schriftarten eingebaut, ich kann das nicht ansehen! 
Dann aber lief mir plötzlich eine lange Landschaftseinstellung über den Weg, ein O-Ton, ein sonorer Erzähler mit auffällig ausgewählter Sprache, sogar die Begleitmusik schien eigens dafür komponiert und schließlich verriet die privat anmutende, aber grandios ausgeleuchtet Szene der Essensherstellung das Thema:

China auf Zunges Spitze

so die Übersetzung des Titels. Es war eine Frage der Zeit, dass mir diese Serie begegnen musste. Eingeschlagen wie eine Bombe in China, begibt sie sich in 2 Serien à 13 Episoden auf eine Forschungsreise durch die ganze Volksrepublik auf der Suche nach originären Genüssen, quasi der chinesischen Fragestellung schlechthin. So läuft sie in jedem zweiten Feinkostgeschäft über den Hänge-TV, in Antikgeschäften flimmern die feinen Bilder über das gut in der Auslage platzierte Tablet oder nach der Landung in der Taxi-Phase bekommt man von seiner Airline einen kleinen Ausschnitt gezeigt. Selbst das kunstvoll verwendete Feinschmeckerjargon ist zum geflügelten Wort geworden.
Ich wollte diese Sendung schon immer mal weiterempfehlen, doch war mir keine Fassung mit deutschen Untertiteln bekannt. Just ein Tag bevor ich mit meiner Familie zu einer äußerst ertragreichen Pilzsuche in den anhaltinischen Wald aufbrach, entdeckte ich doch tatsächlich die allererste Sendung, die lustigerweise von Pilzen handelt, deutsch untertitelt!

Also, frei nach Dusty Springfield: 
The only one who could ever reach me was the son of a Pilzsachverständiger” 

Enjoy: