Donnerstag, 4. Dezember 2014

卍Auweia卐


Ist schon krass, was dieses Zeichen mit einem macht. Findet Ihr nicht? Da wandelt man auf Buddhas Spuren und plötzlich sieht man das:
Grundgütiger, was geht hier ab?! Dachte ich beim ersten Mal, als ich vor knapp zehn Jahren in Taiwan diesem Symbol begegnete. Es schien irgendwie plausibel, zumal ja unsere chinesischen Freunde ihre Sympathie für den letzten Reichskanzler kaum verhehlen und sich ihr vages Wissen auf einen diffusen Begriff von „Stärke“ und „gut für Deutschland gewesen“ reduziert, in dem Krieg, Genozid und Euthanasie nicht vorkommt. In der Tat ist es sogar so, dass die Personalie H. ganz konkret der Ausgangspunkt für die Aufnahme des Germanistikstudiums einer meiner Studentinnen war. Also die Unkenntnis ist unmittelbar greifbar.
Ich will einkaufen gehen, flaniere unter den Schatten spendenden Arkaden und sehe das:
Ich empfinde jedes Mal so ein kleines Zwicken beim Anblick, da ich aber gerade chinesische Innenarchitektur und Möbel wahnsinnig interessant finde (später dazu mehr), gehe ich also hinein und durchschreite diesen Bogen:
Also eins wird klar, mit Unterstützern und Wiederbelebern einer gehirnamputierten Ideologie hat das offensichtlich nix zu tun. Tatsächlich begegne ich dem Zeichen in den meisten Fällen immer in religiösen oder traditionell chinesischen Kontexten und traue mich darum zaghaft, entgegen des Initialzwickens, ihm einen gewissen ästhetischen Reiz zuzugestehen und zu beschließen auf Hackenkreuzjagd zu gehen.

Im Fruchthof:
Beim Schneider:
Beim Aufsatzschreiben:

Es stellt sich heraus, das Ding heißt „Wann-dsü“ zu Deutsch: „Zeichen für Zehntausend“ und ist ein uraltes Glückssymbol, das hier jeder für sich vereinnahmen kann und tut, hauptsächlich aber der Buddhismus. In den heiligen Tempelräumen, wo Figuren der verschiedensten Erleuchteten stehen, prangt auf deren blanker Brust meist dieses Symbol. Als ich meine Kronzeugen jedoch fotografieren wollte, riet mir meine Reiseführerin, dass es Unglück bringe ein Bild von Buddha zu machen.
Um die Sache rund zu machen, möchte ich noch anmerken, dass die Zahl Achtundachtzig in China eine Glückszahl ist, je mehr Achten man in seiner Telefonnummer hat umso besser. 

Na dann!

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